Eine Reise zu den Delfinen im brasilianischen Atlantik und zu den Kaimanen im Amazonas

von Ursula Göbel

Anfang Juli machten sich Frau Göbel und Ihr Sohn auf eine Reise nach Brasilien, welche zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.

Brasilien bietet einzigartige Wasserlandschaften. Anfang des Monats machten wir uns als Mutter-Sohn-Gespann auf um diese Kraftorte zu erkunden. Wir trafen uns als Ausgangspunkt unserer Reise in Recife und verbrachten eine Nacht in Olinda und flogen am nächsten Tag auf die Atlantikinsel Fernando de Noronha, ca. 300 km vor dem brasilianischen Festland gelegen. Der Flughafen ist von der Lage her einer der schönsten, den ich gesehen habe. Er liegt eingebettet in grün bewaldete Hügel, die gekrönt sind vom Morro do Pico, der mit 232 m die Insel überragt. Sie ist vulkanischer Natur und reicht vom Meeresboden auf ca. 4000 m Tiefe wie ein Kegel nach oben. Bizarre Felsformationen wie die „Dois Irmaos“ (Zwei Brüder), kleine Felsinseln und Berge zeugen von mächtigen Kräften, die am Werke waren. Als Mensch fühle ich mich hier so klein wie eine der vielen Krabben, die wir am Strand gesehen haben. Die Wasserqualität ist einmalig. In allen Grün- und Blautönen schimmert das Meer, die Strände strahlen ein sattes Ockergelb aus, das Licht ist diamantklar.

In unserer Pousada wurden wir ausgesprochen herzlich empfangen und versorgt. Mit einem Fahrer erkundeten wir am ersten Tag in einem Jeep die Insel. Die Hälfte der Strände gehören zum maritimen Naturschutzgebiet. Nur mit einer speziellen Karte ist der Zugang zu ihnen in Kleingruppen erlaubt. Am besten holt man sich gleich am ersten Tag eine Karte und meldet sich im Office für Ausflüge an die geschützten Strände an. Dies geht inzwischen elektronisch an Bildschirmen nach Voranmeldung beim Personal. Unser Guide fuhr uns am ersten Tag zu den schönsten Stränden, die über Schotterpisten zugänglich sind. Die Praia do Leao ist der Strand, an dem die Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Er ist gesperrt und nur von oben sichtbar. An der Baia do Sancho kletterten wir einen Kletterleitersteig hinab und durften für 40 Minuten in kristallklarem Wasser schnorcheln. An der Baia do Sueste wurden wir von einem einheimischen Guide an einem Ring an Stellen gezogen, wo es Meeresschildkröten zu sehen gab, Langusten und kleine Haie. Ein Traum für Schnorchler.

Die Welt unter Wasser ist sehr still. Das Wasser trägt und nimmt alle Anstrengungen fort; der Organismus fällt in einen Schwebezustand. Die Inseltour führte uns zum nördlichsten Aussichtspunkt namens Air France. Von hier gibt es fantastische Ausblicke auf die vorgelagerten Felsinseln und wellenumtoste Felsen. Die nächsten Tage waren angefüllt mit Ausflügen zu den Stränden, mal einfach zum baden in den wuchtigen Wellen oder als geführte Ausflüge in den Nationalpark. Ein Highlight war das Schnorcheln am Atalaya-Strand, ein natürlicher Pool, sehr flach. Hier darf kein Sonnenschutz aufgetragen werden. Es gibt unzählige kleine Fische in hinreissenden Farben zu beobachten, die sehr nahe kommen.

Die Bucht der Delfine – Baia dos Golfinhos

Um 6.30 h ging ich zu Fuss zum Nationalpark Baia do Sancho. Von dort durfte ich auch ohne Karte einen Kilometer weit auf einem Holzsteg gehen bis zum Aussichtspunkt der Baia dos Golfinhos. Diese riesengrosse stille Bucht ist der Schlafplatz für die Spinnerdelfine, die sich in den Morgenstunden dort von der Jagd ausruhen. Sie schwimmen sehr langsam in grossen Gruppen nahe am Ufer. Es ist eine grosse Freude, diese schönen Tiere zu beobachten. Auch viele Seevögel wie Albatrosse und Fregattvögel leben dort. Ein schattiger Weg führt mit sensationellen Ausblicken auf die schöne Sancho Bay zurück.
Am letzten Tag auf der Insel fuhren wir mit einem Boot an der Inneren See (dem Brasilien zugewandten Inselteil) entlang. In der Baia do Sancho wurde eine Schnorchelpause eingelegt und es gab viele grössere, bunte Fische zu sehen. Am Abend besuchten wir das historische Fort, von den Portugiesen als Verteidigung gegenüber den anderen Kolonialmächten errichtet. Unsere Pousadamitarbeiterinnen sind uns in dieser Woche ans Herz gewachsen.

Sie haben alle Ausflüge superfix organisiert, die Schnorchelklamotten ausgeliehen, waren sehr bemüht und warmherzig. Offensichtlich schätzen auch sie das Leben auf dieser besonderen Insel.


Die Turtle Lodge – südlich von Manaus

Der zweite Teil unserer Reise führte uns zur Turtle Lodge. Sie ist ein Gästehaus, welches ca. 80 km südlich von Manaus (Hauptstadt vom Bundesstaat Amazonien) liegt, nur erreichbar mit Boot, inmitten vom Regenwald. Die gesamte Anreise von Fernando de Noronha zog sich über Natal, Recife, Manaus fast 24 h hin, aber sie hat sich absolut gelohnt. Die Turtle Lodge bietet gemütliche Zimmer, eine köstliche tropische Küche und kompetente Guides, die durch den Regenwald führen. Unser deutschsprachiger Guide Eduardo war ein Original, der uns sehr gut begleitet hat im Umgang mit den verschiedenen, teilweise sehr wehrhaften Tieren wie Piranhas, Vogelspinnen, Kaimanen und Kobras. Zusammen mit dem Bootsführer Chequinho angelten wir Piranhas, beobachteten Affengruppen, Albatrosse, Papageien, Fischbussarde, Flussdelfine. Wegen der Regenzeit stand der Wald ca. 2 m unter Wasser. Mit dem Boot glitten wir durch Grasteppiche, unter grossen und kleinen Bäumen hindurch in die hintersten Winkel, über weite Seen und grosse Flussarme.

An einem Tag besuchten wir eine lokale Familie von einheimischen Bauern und Eduardo erklärte uns das Maniokhaus. Hier wird hochaufwändig die eigentlich ungeniessbare Maniokwurzel verarbeitet. Sie ist ein Grundnahrungsmittel in Brasilien. Mit festem Schuhwerk ging es an einem anderen Tag in den Regenwald. Spezielle Bäume, die medizinische Wirkstoffe enthalten, hat Eduardo uns erklärt. Auch hier waren äussert wehrhafte Pflanzen zu sehen, die sich durch Dornen gegen Räuber schützen. Im Wissen, dass es dort 4 hochgiftige Schlangenarten gibt, deren Biss einen direkt ins Jenseits befördert (das nächste Hospital 6 Stunden weit weg), waren wir froh um den guten Guide und hielten uns als Gruppe still an seine Anweisungen. Am letzten Abend fing Eduardo tatsächlich mit blossen Händen einen Kaiman. Dafür leuchtete er mit einer Taschenlampe das Ufer ab. Dort, wo das Licht sich in den Augen eines Kaimans spiegelte, legte er sich mit der Taschenlampe im Mund flach ins Boot und packte das Tier mit beiden Händen. Nach ausführlichen Erklärungen für die Gruppe (wer wollte, durfte das Tier halten), wurde der Kaiman wieder schwimmen gelassen.

Die Tage in der Turtle Lodge waren erfüllt mit Stille, Vogelstimmen, Zikaden, dem Brüllen der Brüllaffen (klingt, wie wenn ein Schnellzug durch einen Tunnel donnert), Zwitschern, Wetterleuchten, dem Geruch nach viel Wasser und Wald, Hummus, Pflanzen- und Tierwelt. Der Stress der Städte fiel ab von mir. Trotz vieler natürlicher Gefahren fühlte ich mich sicher aufgehoben in der Natur, mehr als in den Grossstädten des südamerikanischen oder europäischen Kontinents.

Die Reise beendeten wir in Belem im Amazonasdelta. Es liegt ca. 1000 km nördlich von Manaus fast an der Atlantikküste. Diese Fläche, vergleichbar mit der Länge Deutschlands von Süd nach Nord, ist eine einzige riesige Flusslandschaft. Unzählige riesige Flussarme waren sichtbar, durchsetzt von Wald.

Die Wasserwelt Brasiliens wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Die Brasilianer legen grossen Wert auf den Naturschutz auf Fernando de Noronha und ebenso in dem Gästehaus am Amazonas. Dennoch wird viel Regenwald illegal zerstört und es herrschen Wildwestverhältnisse, Mord und Totschlag im Kampf um das Holz und die Schätze dieser Region. Amazonien ist der Wasserspeicher der Erde. Ich bin sehr dankbar, dass wir diese Schätze erleben durften und werde ihren Schutz unterstützen.

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